Mehr als 4000 Menschen kamen im Februar 2024 auf den Lahrer Rathausplatz. Sie setzten ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz und gegen Rechtsextremismus. Aus der wohl größten Lahrer Kundgebung hat sich ein Forum Demokratie entwickelt. Dieses hat eine große Veranstaltungsreihe erarbeitet.

Am Freitag haben Heinz Siebold, Roland Hirsch, Hadi Sayed-Ahmad und Paul Sütterlin aus dem Orga-Team, zu dem auch Thorsten Mietzner zählt, im Café Süßes Löchle über das Programm für die Woche der Demokratie vom 17. bis 24. Mai informiert. Das Datum ist bewusst gewählt: Die Veranstaltungen finden um den Tag des Grundgesetzes (23. Mai) statt.

"Eine Demonstration der anderen Art" – so bezeichnet Journalist Heinz Siebold die Reihe. Getragen wird sie von einem breiten Bündnis: 38 Organisationen werden mit kulturellen, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen sowie als Höhepunkt einem Markt der Demokratie auf dem Schlossplatz für die Werte des Grundgesetzes und die freiheitliche Gesellschaft werben (siehe Info). Dazu gehören Gemeinderatsfraktionen, Institutionen, Bürgerinitiativen und Sportvereine. "Aktionen aus der Mitte der Bürgerschaft", fasst Siebold zusammen. "Es herrscht dringender Informationsbedarf", sagt Roland Hirsch auch mit Blick auf die jüngsten Wahlergebnisse in Lahr.

Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Gemeinderat hatte mit Sven Täubert (Grüne) die Kundgebung 2024 organisiert. Er verweist nun auf einen Vortrag mit dem Rechtsextremismus-Experten Rolf Frankenberger: "Alle demokratischen Fraktionen im Gemeinderat treten als Veranstalter auf". Oberbürgermeister Markus Ibert werde ein Grußwort sprechen.

"Wir dürfen uns von den jüngsten Wahlergebnissen nicht entmutigen lassen", sagt Paul Sütterlin, Vorsitzender der Jungen Union Lahr-Friesenheim. "Es gibt auch ein anderes Lahr". Auch das soll die Woche der Demokratie verdeutlichen. Für ihn als Christdemokraten sei selbstverständlich, dass die AfD nicht eingebunden werde. "Diese Partei ist zwar demokratisch legitimiert, aber in ihrem Wesen nicht demokratisch". Eine Demokratie müsse wehrhaft sein und rechtsextreme Tendenzen zurückdrängen, ergänzt Hirsch. Auch Hadi Sayed-Ahmad, Sprecher des Jugendgemeinderats, zeigt sich kämpferisch: "Wenn wir nicht aktiv mitgestalten, überlassen wir anderen das Feld. Und genau das dürfen wir nicht zulassen. Wir müssen für etwas stehen: für ein Miteinander, für Respekt, für eine offene Gesellschaft".

"Niemand am Pranger"

Eine Veranstaltung im Westen der Stadt, wo die AfD die meisten Stimmen erhielt, ist nicht vorgesehen. Man wolle "niemanden an den Pranger stellen", so Hirsch. Mit dem Markt der Demokratie in der Innenstadt gebe es einen Ort der Begegnung für Menschen unterschiedlicher Meinung und Herkunft, sagt Siebold. Das Programm werde in Kürze in Flyern veröffentlicht und in den Sozialen Medien beworben. Aus dem Forum könnte mittelfristig ein Verein werden.

Wer sich engagieren möchte, erreicht das Orga-Team unter . "Wir wollen, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen, statt übereinander zu sprechen. Dass sie begreifen, dass Demokratie im Kleinen anfängt, jeden betrifft und kein 'wir hier unten' und 'die da oben' ist", fasst Dagmar Abt vom Ettenheimer Bündnis für Demokratie das Ziel der Initiative zusammen. Zusammen mit Daniel Henninger, Sigi Schuler und weiteren Mitstreitern gehört sie zum Organisationsteam des Bündnisses. Dieses ist wie die Lahrer Initiative nach einer Kundgebung entstanden und schließt sich nun mit Veranstaltungen in Ettenheim der Lahrer Woche der Demokratie an.

Wichtig sind dem Bündnis niederschwellige Angebote, kein Programmpunkt in Ettenheim kostet Eintritt. Die Angebote sind in der Regel darauf ausgelegt, dass alle ins Gespräch kommen. Auch die Ettenheimer Initiative freut sich über Mitstreiter, die sich unter buendnis-demokratie-ettenheim@gmx.de melden können.