Sie ist winzig klein, sehr gefräßig und ziemlich flink: Die Etruskerspitzmaus (Suncus etruscus), die im Mittelmeerraum und in Teilen Asiens beheimatet ist. Anders als ihr Name suggeriert, gehört die Etruskerspitzmaus nicht zu den Nagetieren, sondern zu den Insektenfressern. Mit durchschnittlich vier Zentimetern Körperlänge zählt sie zu den kleinsten Säugetieren der Welt.
Trotz ihrer geringen Größe ist die Etruskerspitzmaus ein äußerst effektiver Jäger. Ihr schneller Stoffwechsel und ihre hohe Aktivität erfordern eine enorme Menge an Nahrung – sie frisst täglich das 1,5- bis 2-fache ihres Körpergewichts an Insekten und anderen Bodenbewohnern. Ihre Hauptnahrung besteht dabei aus Ameisen, Käfern und anderen kleinen Gliederfüßern. Von dieser Eigenschaft profitieren schon seit Jahrhunderten die Olivenbauern im süditalienischen Apulien. Die flinken Insektenjäger halten dort die Ameisenpopulationen in Schach, die gerne an Wurzeln der Olivenbäume fressen. Zu stark geschädigte Bäume können vertrocknen.
Italienischer Zoologe
Auf diesem Umstand hat der Zoologe Dr. Riccardo Avallone von der Universität Neapel die Stadt Kehl aufmerksam gemacht. Avallone weilte im Februar 2025 mit seiner Familie im Schwarzwald, als er von den Problemen der Stadt mit Tapinoma magnum hörte. Schnell konnte er die Verantwortlichen überzeugen, es doch einmal mit der biologischen Schädlingsbekämpfung „made in Italy“ zu versuchen.
Die ersten Etruskerspitzmäuse werden nun voraussichtlich im Frühsommer in den betroffenen Gebieten in Marlen und in Neumühl ausgesetzt, damit sie ihre Arbeit aufnehmen. Zunächst werden die kleinen Vierbeiner aber in einem eigens eingerichteten Areal im Kehler Hafen vermehrt und auf ihre Aufgabe vorbereitet. Bei erfolgreichem Verlauf des Projekts ist geplant, die Initiative auf weitere betroffene Gebiete auszuweiten.
Oberbürgermeister Wolfram Britz zeigt sich begeistert von der Idee: „Die Etruskerspitzmaus ist die perfekte Kandidatin im Kampf gegen Tapinoma magnum“, sagt er. „Dieses Projekt könnte nicht nur bei uns die Ameisenplage eindämmen, sondern auch ein Modell für andere Städte sein. Wir sind stolz darauf, dass wir die ersten sein dürfen, die diese zukunftsweisende Lösung ausprobieren.“
"Perfekte Waffe"
Laut Experten könnte dieses unkonventionelle Projekt sogar der Schlüssel zur Bekämpfung der aggressiven Ameisenart in der Region sein. Daher habe das Land der Stadt auch umgehend wissenschaftliche und finanzielle Unterstützung zugesagt, berichtet die städtische Umweltbeauftragte Ann-Margret Amui-Vedel. Und auch auf dem Auftaktworkshop zum Tapinoma-magnum-Forschungsprojekt, das der grüne Landtagsabgeordnete Bernd Mettenleiter angestoßen hat und der am 11. April in Offenburg stattfindet, wird die flinke Insektenjägerin Thema sein. „Tapinoma magnum ist in der Lage, riesige Superkolonien zu bilden und stellt zunehmend eine Bedrohung für Gebäude und Infrastruktur dar“, so Mettenleiter. Bislang hat die Stadt versucht, mit Heißschaum gegen die millionenfachen Krabbler vorzugehen. In Gebäuden ist diese Methode allerdings schlecht anwendbar. „In Häusern ist die Etruskerspitzmaus die perfekte natürliche Waffe“, sagt der ehemalige Biologielehrer.
Hintergrund
Die Etruskerspitzmaus
Die Etruskerspitzmaus gehört zu den kleinsten Säugetieren der Welt, wiegt nur wenige Gramm und wird zwischen 3,5 bis 5 Zentimeter groß. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet ist Südeuropa, Nordafrika und Teile von Asien. Sie hat wie viele kleine Warmblüter eine sehr hohe Stoffwechselrate: Ihr Herz schlägt bis zu 1500-mal in der Minute. Auch ihre Fortpflanzungsrate ist hoch – ein Weibchen kann bis zu dreimal im Jahr Nachwuchs bekommen, wobei ein Wurf bis zu 5 Junge umfasst.
Die Etruskerspitzmaus ist permanent in Bewegung und auf Nahrungssuche, da sie sehr viel Energie benötigt. Dazu stöbert sie mit ihrer langen Schnauze ihre Beute im Erdreich, in engen Gängen und schmalen Spalten auf – Etruskerspitzmäuse haben einen ausgezeichneten Geruchssinn. In den seltenen Ruhephasen zieht sich die Spitzmaus unter Laubhaufen oder in andere Verstecke zurück.
Die Etruskerspitzmaus ist so klein und unauffällig, dass sie vom Menschen kaum wahrgenommen wird.