Theater in Freistett

Die Theatergruppe des gemischten Chors führt seit Jahrzehnten die unterschiedlichsten Stücke auf – immer turbulent, witzig und nahe am Publikum. Dieses Jahr begab sich die Gruppe beim Schwank „Die verschollene Kirchenchronik“ in der Stadthalle auf die Suche nach der verschollenen Kirchenchronik.

Die Geschichte ist schnell erzählt: In Freistett regnet es durchs Kirchendach und es ist kein Geld für die Reparatur da. Zum Glück kann Pfarrer Gotthilf Sünderlein – eine Paraderolle für Willi Durban – noch das Gemeindehaus für den Gottesdienst nutzen. So ist es auch in einer uralten Kirchenchronik geregelt. Aber niemand weiß warum und wie lange, denn das steht alles im nächsten Band der Chronik, und dieser ist seit ewig verschollen.

So hat die karrieregeile Bürgermeisterin Haberecht alias die unnachahmliche Petra Kress, die kurz vor der Wiederwahl steht, den Plan, das Gemeindehaus zur neuen Heimstätte für ihren Strick- und Häkelverein zu machen. Dagegen möchte die schrill überdrehte Künstlerin Rosa Schlüpferle (Julia Feurer) daraus ein Künstler- und Mediationszentrum machen. Auch die Pfarrhaushälterin Hanna Hailig, die mit ihren Kochkünsten alle in Gefahr bringt, und ihr Mann, der Dorfbott Lothar mischten die Komödie kräftig mit auf Freistett bezogenen Geschichten auf. Diese Rollen spielten brillant Sonja Walther und Reinhold Schmidt.

Heißer Wahlkampf

Da taucht der Amerikaner J.W. Sheffele (Wolfgang Welti) auf. Er sucht in Freistett nach seinen Urahnen Schäufele. Er schlägt als Lösung vor: Jeder, der Interesse am Gemeindezentrum hat, lässt sich als Bürgermeister aufstellen und der, der gewinnt, kann dann entscheiden. Plötzlich gibt es also vier Kandidaten und der Wahlkampf entbrennt. Wahlplakate werden präsentiert, des Nachts gibt es Sabotage, doch am Wahltag präsentiert die Wahlleiterin das überraschende Wahlergebnis: Bei 100-prozentiger Wahlbeteiligung hat Freistett wegen Stimmgleichheit gleich vier neue Bürgermeister. Doch da taucht die verschollene Kirchenchronik auf und die besagt, dass der Nachfahre des einstigen Bürgermeisters Schäufele – eben jener Amerikaner – nicht nur übergangsweise Bürgermeister ist, sondern auch Stimmrecht hat.

Der Mann gibt seine Stimme der amtierenden Bürgermeisterin, räumt aber auch anderen Raum für ihre Wünsche ein: Das Kirchendach soll auf Kosten des reichen Amerikaners saniert und der Bott- und Polizeichef ein Büro mit Arrestzelle bekommen. Nur die Künstlerin geht zunächst leer aus, aber ihr macht der Amerikaner einen Heiratsantrag.

Alle Laienschauspieler zeigten sich voller Spielfreude, und auch die Akteure hinter der Bühne – Johanna Aßmann (Maske), Angelika Durban (Souffleuse) und Rolf-Dieter Kress (Technik) wurden mit reichlich Applaus belohnt.