Es war ein Abend der Superlative: 583 Einsätze hat die Kehler Feuerwehr 2024 geleistet – 49 mehr als im Vorjahr. Und noch nie konnten so viele Feuerwehrangehörige für besondere Leistungen über Jahrzehnte hinweg ausgezeichnet werden, wie am Ehrungsabend am vergangenen Freitag in der Gemeindehalle in Kork. So wurden 14 Feuerwehrmänner für 40 Jahre aktiven Dienst geehrt; Karl-Frieder Müll brachte es sogar auf 50 Jahre.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Kehler Feuerwehr wurde mit Sandra Fien eine Frau zur Oberlöschmeisterin befördert. Eine besondere Neuerung durfte der zweite stellvertretende Kommandant, David Oster, verkünden: Mit den "Feuerkehlchen" wird im Mai eine Kinderfeuerwehr gegründet.

905 geehrte Jahre

Zählt man die Ehrungen für 15, 25, 40 und 50 Jahre aktiven Dienst in der Kehler Feuerwehr zusammen, so steht unter dem Strich die stolze Zahl von 905 Jahren Dienst an der Allgemeinheit, erklärte Feuerwehrkommandant Viktor Liehr den Feuerwehrangehörigen und den Ehrengästen – darunter OB Wolfram Britz, Beigeordneter Thomas Wuttke und mehrere Ortsvorsteher und Stadträte.

Letzteren dankte Liehr besonders für ihre Unterstützung der Feuerwehr auch in finanziell schwierigen Zeiten. So habe er das Budget zwar um 60.000 Euro kürzen müssen, dennoch wird die Feuerwehr neue Technik beschaffen können: Neben einem Fahrzeug für die Einsatzleitung zwei Löschfahrzeuge, einige leistungsstarke Wassersauger, eine Hochleistungspumpe sowie die lang erwarteten Digitalfunkgeräte, deren Einbau im Sommer erfolgen soll.

Darüber hinaus wartet die Feuerwehr noch auf die Gerätewagen Wasser und Taucher, deren Auslieferung bereits 2024 erfolgen sollte. Denn auch wenn Sparen angesagt sei, dürfe sich die Feuerwehr keinen Rückschritt erlauben. Die Kehler Wehr sei gut ausgestattet und sehr gut ausgebildet, „ihr seid eine starke Feuerwehr, auf die ich sehr stolz bin“, rief Liehr den Kameradinnen und Kameraden zu.

"Vollkaskomentalität"

Dass der Wandel der Gesellschaft auch vor der Feuerwehr nicht Halt macht, thematisierte Liehr in seiner Eingangsrede. Zum einen wirke sich die "Vollkaskomentalität“ in Teilen der Einwohnerschaft auf die Feuerwehrarbeit aus: „Wir werden inzwischen wegen jedem Kleinkram gerufen“, so Liehr.

Andererseits bildeten auch die Feuerwehrangehörigen den Querschnitt der Bevölkerung ab. Und das bedeute, dass „sich die Bereitschaft, das ,Ich' zurückzustellen und anderen zu Hilfe zu eilen, verändert“. Noch bis vor wenigen Jahren seien gerade bei Einsätzen an Freitag- oder Samstagabenden sehr viele Feuerwehrleute gekommen, sei man – auch wenn man gerade mit der Freundin Essen war – aufgesprungen, wenn der Melder Alarm schlug. „Das verändert sich“, so Liehr.

Die Digitalisierung sei in der Feuerwehr schon lange angekommen, auch Künstliche Intelligenz (KI) werde in der Feuerwehrwelt bald Einzug halten, thematisierte Viktor Liehr eine weitere zu erwartende Veränderung. Diverse Forschungsprojekte mit Erkundungsdrohnen und zu Einsatzvorhersagen liefen bereits. Vielleicht erhalte man bald schon Lagebilder von der Einsatzstelle, bevor man sich überhaupt auf den Weg gemacht habe.

50 Jahre Feuerwehr

Karl-Frieder Müll hat vor einem halben Jahrhundert in der Jugendfeuerwehr angefangen und ist noch heute dort aktiv. Für sein herausragendes Engagement wurde er mit dem Feuerwehr-Ehrenzeichen des Landes Baden-Württemberg in Gold in besonderer Ausführung ausgezeichnet.

Für sein besonderes Engagement erhielt Marco Kehret das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze. Er ist als Maschinist und Zugführer im Ausrückbereich Goldscheuer/Hohnhurst aktiv und als Zugführer regelmäßig für den Probebetrieb verantwortlich. Seit zehn Jahren ist er auf Kreisebene Ausbilder für Sprechfunker. Außerdem war er mehrere Jahre als Jugendbetreuer tätig. Marco Kehret ist 1988 über die Jugendfeuerwehr in den Feuerwehrdienst gekommen und gehört seit 1993 zur aktiven Einsatzabteilung.

Ehrenmedaille

Mit der Ehrenmedaille des Landesfeuerwehrverbands in Silber wurde Wolfram Bährel ausgezeichnet, der 1982 in der Jugendfeuerwehr angefangen hat. Ein Jahr später trat er in den aktiven Feuerwehrdienst im Ausrückbereich Kernstadt/Neumühl über. Seit 2004 gehört er zudem dem Ausrückbereich Kork/Odelshofen an, wo er von 2005 bis 2021 Abteilungskommandant war. Den Ausrückbereich Kernstadt/Neumühl unterstützt er noch heute als Maschinist auf dem deutsch-französischen Feuerlöschboot Europa 1.

Mit der Ehrennadel der Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg in Silber wurden Sonja Bohleber-Hügel und Dominik Hoeltzel (beide Ausrückbereich Goldscheuer/Hohnhurst) ausgezeichnet. Beide sind neben dem aktiven Einsatzdienst in der Jugendfeuerwehr engagiert. Sonja Bohleber-Hügel trat 1984 in die Jugendfeuer in Willstätt-Sand ein und wurde dort 1991 in die aktive Wehr übergeleitet. Seit 1993 ist sie bei der Kehler Wehr. Dominik Hoeltzel begann seine Feuerwehrlaufbahn 2005 bei der Jugendfeuerwehr Kehl und ist seit 2011 aktives Mitglied.

"Feuerkehlchen"

Neben der Jugendfeuerwehr wird es künftig noch die "Feuerkehlchen" geben: In die Kinderfeuerwehr werden zunächst zehn sechs- bis neunjährige Kinder von Feuerwehrangehörigen aufgenommen, berichtete der stellvertretende Feuerwehrkommandant David Oster beim Ehrungsabend. Mit dieser kleinen Gruppe wolle man Erfahrungen sammeln. Wenn alles gut laufe und sich ausreichend Gruppenleiter fänden, strebe man die Öffnung der Gruppe auch für Kinder an, deren Eltern noch keinen Bezug zur Feuerwehr haben.

Stichwort

Das Feuerwehrjahr 2024 in Zahlen

Mit 583 Einsätzen wurde der Rekord von 2023 (534 Einsätze) übertroffen, berichtete Kommandant Viktor Liehr. 266 Brände hat die Kehler Wehr im vergangenen Jahr gelöscht – davon zwei Großbrände: Am 15. April brannte in Kittersburg eine Scheune nieder; die Flammen sprangen auf das benachbarte Wohngebäude über und machten es unbewohnbar. Am 16. Juli löschte die Feuerwehr den Brand in einer Filteranlage in einem Unternehmen in Bodersweier. Dazu kamen fünf mittelgroße Feuer und 64 Kleinbrände. 37-mal sind die Feuerwehrleute aufgrund von Fehlalarmen aus der Bevölkerung ausgerückt, 99-mal weil Brandmeldeanlagen fälschlich auslösten. 59-mal wurde die Kehler Feuerwehr im Rahmen der sogenannten Überlandhilfe zu Einsatzstellen außerhalb von Kehl gerufen.

In 317 Fällen leistete die Feuerwehr technische Hilfe: 20-mal, weil Gefahrstoffe ausgelaufen waren, 116-mal musste jemand aus einer Gefahrenlage gerettet werden; in 29 Fällen waren Tiere der Grund für den Einsatz der Feuerwehrleute. 27-mal galt es eine Verunreinigung auf einer Straße zu beseitigen.

28 Menschen konnten die Feuerwehrangehörigen 2024 retten – 17 davon mit dem Hubrettungsfahrzeug, zwei mit dem hydraulischen Rettungsgerät und drei über einen baulichen Rettungsweg. Für 14 Personen kam jede Hilfe zu spät.

Fünf Feuerwehrangehörige wurden 2024 im Einsatz verletzt.